Die Geschichte der Kartoffelzucht auf dem Kohlbacher Hof

Die Geschichte der Kartoffelzucht auf dem Kohlbacher Hof

Der Kohlbacher Hof hat eine lange Tradition: Seit 1728 lebt die Familie Böhm nachweislich in Groß-Bieberau. Es waren damals Zimmerleute und Drechsler, mit Ausnahme von Georg-Friedrich Böhm. Er widmete sich der Züchtung verschiedener Pflanzenarten. Im Jahr 1900 begann er dann mit der Kartoffelzucht und nahm mit großer Leidenschaft erste Experimente auf dem Feld vor. Die ersten Versuche, sich dem Wettbewerb mit den Züchtern in Norddeutschland zu stellen, waren nicht erfolgreich. Dann plötzlich gab es im Jahr 1905 Auszeichnungen für gleich vier seiner Sorten: „Böhms Frühe“, „Groß-Bieberauer-Ertragsreiche“, „Erste des Odenwaldes“ und „Geheimrat Haas“. Georg-Friedrich Böhm wurde in diesem Jahr mit der Silbernen Staatsmedaille ausgezeichnet.

Die Sorte „Böhms Erfolg“ übertraf 1906 die Konkurrenz in Knollen- und Stärkeertrag, sowie in Geschmack und Festigkeit und ihr Name hielt, was er versprach. Von da an setzte die Nachfrage aus allen Teilen Deutschlands, sowie aus Ungarn, Italien und Russland ein.

Nach dem ersten Weltkrieg expandierte das Unternehmen beträchtlich. Die Familie Böhm erwarb einige Betriebe in Norddeutschland, denn dort waren die besten Bedingungen für die Vermehrung der Sorten. Die erfolgreichste Sorte der Kartoffelzucht Böhm war „Ackersegen“. Sie fand weite Verbreitung im Zweiten Weltkrieg. Fachleute behaupten, Deutschland sei wegen dieser ertragsreichen Sorte während des Weltkrieges einer Hungersnot entgangen. Die Anbauflächen und auch die patentierten Kartoffelsorten der Familie Böhm wurden zur Beute der Siegermächte. Die Familie verlor ihre gesamten Vermehrungsflächen.

1921 stellte sich dann Heinrich Böhm auf dem Familiensitz seiner Ehefrau, dem Kohlbacher Hof, der Aufgabe, das Lebenswerk seiner Familie fort zu führen. Während sich die Flächen der Kartoffelzucht Böhm in den Achtzigern auf ein Siebtel reduzierten, stieg der Züchtungsaufwand auf Grund der strenger werdenden Vorschriften um das Achtfache. Um diese Herausforderung stemmen zu können, kooperierte die Familie mit anderen Unternehmen. Die daraus entstandene Böhm-Nordkartoffel-Gruppe erreichte mit mehr als 60 Kartoffelsorten einen Marktanteil in Deutschland von 45 Prozent. Die Namen ihrer bedeutendsten Kartoffelsorten sind unter anderem „Quarta“, „Marabel“, Laura und „Agria“.

Heute nennt sich diese Kooperation „Europlant“ und züchtet immer weiter zahlreiche neue Sorten. So mancher fragt sich, was man denn an dem goldenen Erdapfel noch verbessern müsse? Die Antwort darauf gibt Uwe Böhm, der heute mit Sohn Johannes den Kohlbacher Hof führt. Demnach wünschen sich die Verbraucher Kartoffeln mit glatter Schale und flachen Augen. Die Landwirte, die die Kartoffeln später anbauen, wünschen sich hingegen ein höheres Ertragspotenzial und dass die Pflanze widerstandsfähiger und resistenter gegen Krankheiten und Pilze sein soll. Diese Anforderungen müssen bei der Zucht natürlich alle erfüllt werden.

Auch in Bezug auf das Aussehen der Schale und des Kartoffelfleisches gibt es in Europa unterschiedliche Vorstellungen. Während in Deutschland die gelbfleischige Kartoffel mit brauner Schale bevorzugt wird, sind in Balkanländern die rotschaligen Sorten sehr gefragt, in England hingegen ist das weiße Kartoffelfleisch besonders beliebt.

Regina Böhm, die erste Odenwälder Kartoffelkönigin und Ehefrau von Uwe Böhm erzählt uns, dass heute die Endverbraucher und Gastronomen immer mehr die festkochenden Sorten bevorzugen. mehlige Kartoffeln hingegen verschwinden fast vom Markt. Die mehlig-kochenden Kartoffeln wurden früher zu Soßengerichten gereicht. Aus Hausfrauensicht empfiehlt sie für die heutigen Kartoffelansprüche zum Beispiel die Sorten „Finka“ und „Concordia“ als vorwiegend festkochende, oder „Belana“ als festkochende Sorte. Sie hat nicht so tiefe Augen, ist leicht zu schälen und kann auch zwei bis drei Tage als Pellkartoffel zur Weiterverarbeitung stehen gelassen werden. In der Gastronomie setzt man heutzutage ebenfalls besonders auf vorwiegend festkochend bis feste Sorten aber auch je nach Gericht für Klöße oder Püree auf ins mehlig gehende Sorten, wie „Jelly“ oder „Agria“.

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