Interview mit Dekan Meyer

Ein Gespräch über "Himmel un Erd"

„Himmel un Erd“

„Himmel un Erd“ ist für die Odenwälder ein beliebtes regionales Gericht, aber auch ein interessantes Wortspiel und so haben wir Dekan Joachim Meyer nach seinen Gedanken zu Himmel und Erde befragt.

Bei unserem Besuch im Dekanat Vorderer Odenwald im Darmstädter Schloss in Groß-Umstadt fand gerade die Morgenandacht statt. Mit den von Kunsthandwerker Robert Münch gestalteten Fenstern ist der Himmel in dem liebevoll eingerichteten Gemeinschaftsraum buchstäblich greifbar. So ergab sich gleich ein guter Einstieg in das Gespräch zu „Himmel un Erd“.

Dekan Joachim Meyer stammt aus einem kleinen Ort im Westerwald. Seine Großeltern betrieben dort eine Landwirtschaft und so wuchs er inmitten der landwirtschaftlichen Arbeiten auf. Er erlebte mit, wie Kartoffeln und Getreide angebaut wurden, wie täglich Tiere versorgt werden mussten.

Eine besondere Erinnerung sind für ihn die von seiner Mutter eigens für ihn zubereiteten Bratkartoffeln. Sie wurden in einer Schicht in der Pfanne verteilt und jede Kartoffel wurde einzeln gewendet. Wenn Joachim Meyer seine zwischen 90 Jahre alte Mutter besucht, dann sind die Bratkartoffeln bis heute sein Lieblingsgericht. Für ihn verkörpern diese Bratkartoffeln die Wertschätzung und Liebe, die ihm seine Mutter zeitlebens entgegen bringt.

Kartoffeln spielten auf dem Hof im Westerwald eine große Rolle. In der Kindheit von Joachim Meyer waren sie das Hauptnahrungsmittel. Mittags gab es gekochte Kartoffeln und am Abend kamen die geliebten, in Schmalz und mit Speck gebratenen Bratkartoffeln auf den Tisch.

„Es wurde doch sicher auch Brot gegessen“, wollen wir wissen.

„Ja, Brot wurde 1 x wöchentlich vom eigenen Getreide gebacken“, berichtet Joachim Meyer. Für 1-2 Laibe Brot erhielt der Bäcker jede Woche einen Backlohn.

Aber es gab auch Kartoffelbrot. Dazu wurde Kartoffelstampf zuerst in einer Schleuder, dann mit Hilfe eines Kartoffelsacks so trocken wie möglich ausgepresst. Gebacken wurde daraus ein viereckiges Kartoffelbrot mit knuspriger Kruste, der „Riebeskuche“ oder ein runder „Riebesplatz“.

Die Mutter von Joachim Meyer pflegt diese Tradition bis heute. Besucht sie Bekannte im Ort, nimmt sie oft ein Kartoffelbrot mit, das dann gemeinsam mit süßem Brotaufstrich gegessen wird, berichtet Joachim Meyer und man spürt, dass er darauf sehr stolz ist.

Auch an Kartoffelklöße, sogenannte „Riewesklüs“ erinnert sich Joachim Meyer gern. Die kleinen Kartoffelklöße wurden in der Pfanne gebraten und zusammen mit Apfelmus direkt aus der Pfanne gegessen.

Mit einem Augenzwinkern zitiert er einen Spruch aus seiner Kindheit: „In der Regel isst man 3 Klöße gleichzeitig, einer steckt im Auge, der zweite steckt auf der Gabel und der dritte im Mund“.

Für Joachim Meyer ist es stets eine Erdung, wenn er nach Hause auf den Hof im Westerwald fährt.

„Und was ist mit dem Himmel?“, wollen wir wissen.

Mit dem Himmel verbindet Joachim Meyer Ruhe und Besinnung. Sich ins Gras legen, in den Himmel schauen, die Wolken vorüber ziehen lassen und seinen Gedanken nachhängen. Kleine Strukturen schwimmen in diesen Momenten auf den Augen und man fragt sich, woher die wohl kommen. Für Joachim Meyer gehören die Ruhe im Gras und der Blick in den Himmel zu den schönsten Momenten im Leben.

Wir können dem nur zustimmen und danken für das wunderbare Gespräch.

 

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